Frauenbibelkreis


 

Am 24. November 2013 erschien das Apostolische Schreiben EVANGELII GAUDIUM – Die Freude des Evangeliums – unseres Heiligen Vaters Papst Franziskus. Mit diesem Schreiben lädt der Papst die Bischöfe, Priester und Diakone, die Personen geweihten Lebens und die christgläubigen Laien, zu einer neuen Etappe der Evangelisierung“ (Abschnitt 1) ein, die von der Freude geprägt ist, die immer wieder von Christus kommt.

 

Freude des Evangeliums?? Gerade bei den Älteren unter uns klingt es noch immer in den Ohren: „ Du musst…, du sollst…, du darfst nicht…!“ Diese – vor allem in früheren Jahren – in der Kirche verkündeten Imperative haben manchem Gläubigen die Freude am Glauben genommen, weil sie eher wie eine Drohbotschaft statt wie eine Frohbotschaft klangen. Dabei wurde die Freude, ja die Heil bringende Freude, die im Evangelium verkündet wird, leider oft überhört. In seinem Schreiben führt Papst Franziskus einige Beispiele aus dem Evangelium auf, die zur Freude einladen:

  • Chaire – freue dich« ist der Gruß des Engels an Maria (Lk 1,28).
  • Der Besuch Marias bei Elisabet lässt Johannes im Mutterschoß vor Freude hüpfen (vgl. Lk 1,41).
  • In ihrem Lobgesang bekundet Maria: »Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter « (Lk 1,47).
  • Als Jesus sein öffentliches Wirken beginnt, ruft Johannes aus: »Nun ist diese meine Freude vollkommen« (Joh 3,29).
  • Jesus selber »rief […] vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus…« (Lk 10,21).

Seine Botschaft ist Quelle der Freude:

  • Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird« (Joh 15,11).

Unsere christliche Freude entspringt der Quelle seines überfließenden Herzens. Er verheißt seinen Jüngern:

  • Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln « (Joh 16,20), und beharrt darauf: »Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude« (Joh 16,22).
  • Als sie ihn später als Auferstandenen sahen, »freuten« sie sich (Joh 20,20).

Die Apostelgeschichte erzählt von der ersten Gemeinde:

  • Sie »hielten miteinander Mahl in Freude« (2,46).
  • Wo die Jünger vorbeikamen, »herrschte große Freude« (8,8), und
  • sie selber waren mitten in der Verfolgung »voll Freude« (13,52).
  • Ein äthiopischer Hofbeamter zog, nachdem er die Taufe empfangen hatte, »voll Freude« weiter (8,39), und
  • der Gefängniswärter »war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war« (16,34).“ (Abschnitt 5)

Am Ende dieses Abschnittes folgt die Frage: „Warum wollen nicht auch wir in diesen Strom der Freude eintreten?“ Lassen wir uns von Christus selbst zu dieser Freude einladen, die Er uns in Seinem Wort schenken will. Die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben es uns niedergeschrieben, so dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, die Texte zu lesen, zu betrachten, sie auf uns und in uns wirken zu lassen.

 

Zu einer solchen geistlichen Lesung – ob alleine oder in Gemeinschaft – gibt uns der Papst eine Hilfe an die Hand. Er schlägt u. a. vor zu fragen: „Herr, was sagt mir dieser Text? Was möchtest du mit dieser Botschaft an meinem Leben ändern? Was stört mich in diesem Text? Warum interessiert mich das nicht? – oder: Was gefällt mir, was spornt mich an in diesem Wort? Was zieht mich an? Warum zieht es mich an?“(Abschnitt 153)

 

Je mehr wir uns in betrachtender Weise mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, desto tiefer erfahren wir, dass Jesu Botschaft eine frohe ist, die uns mit Freude erfüllen kann.

 

Mit Recht werden Sie jetzt fragen, wo angesichts des Leids, das uns tagtäglich begegnet, die Freude bleibt. Es würde zu weit führen, auf die Theologie des Kreuzes und den Sinn des Leidens einzugehen, aber vielleicht kann uns bei unseren Überlegungen ein Gedanke helfen:
Unser Leben, das uns von Gott geschenkt ist, ist auf Zukunft ausgerichtet, auf ein Leben in der ewigen Freude und Herrlichkeit Gottes. Mit Seinem Leben hat Jesus uns gezeigt, dass der Weg zur Auferstehung durch das Kreuz, durch die Passion geht. Und Sein Weg ist auch unser Weg, die wir in Seiner Nachfolge stehen. Schon die Erwartung unserer Auferstehung zum ewigen Leben sollte uns mit Freude erfüllen.

 

Öffnen wir uns durch Lektüre und Betrachtung des Wortes Gottes der Frohbotschaft, der Freude, damit sie in uns zur Flamme wird und wir sie durch unser Leben, durch Wort und Tat auch in unseren Mitmenschen entzünden können.

 

Anne-Christel Zolondek

 

Vor ca. 15 Jahren gründete unsere damalige Gemeindereferentin Frau Kußmann einen Frauenbibelkreis, dessen Leitung ich nach ihrer Versetzung im September 2001 übernommen habe. Bei unseren monatlichen Treffen lesen und betrachten wir eine Perikope aus den Evangelien und versuchen im Gespräch, Antworten auf unsere Fragen zu finden und die Freude im und am Wort Gottes für unser Leben zu entdecken. Auch Sie sind herzlichst zu unseren Treffen am zweiten Montag im Monat um 16 Uhr im Pfarrheim St. Nikolaus in Gruiten eingeladen.

 

Auskunft erteilt: Anne-Christel Zolondek, eMail, Telefon 02104-62202